07.05.2025 Die Palliativmedizin hat das Ziel, schwerstkranken Patienten ein möglichst beschwerdefreies, selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu ermöglichen. Wie sich dieses Ziel mit der Patientenverfügung vereinbaren lässt, erläuterte Dr. Barbara Lighvani in einem Vortrag im Rahmen der Reihe Gesundheit im Dialog in Osterhofen. Der im Voraus festgelegte Wille des Patienten spielt immer dann eine entscheidende Rolle, wenn sich diese oder dieser nicht mehr selbst äußern kann. Dann, so die erfahrene Palliativmedizinerin, sei die Verfügung ebenso wichtig wie die medizinische Behandlungsindikation.
Die Palliativmedizin schützt die Patienten vor qualvollen Beschwerden, vor Perspektivlosigkeit und vor unangemessenen Maßnahmen. Dabei verfolgt sie einen ganzheitlichen Ansatz und trägt so zur Erhaltung oder Verbesserung der Lebensqualität bei – körperlich, psychisch und im sozialen Umfeld. „Man kann sie als zeitlich begrenzte Rehabilitation sehen“, erklärte die Leitende Oberärztin der Palliativstation am DONAUISAR Klinikum Deggendorf. So ist auch eine Entlassung nach Hause möglich – und erfolgt bei etwa der Hälfte der betreuten Personen. In diesen Fällen ist die Zusammenarbeit mit der Speziellen Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) von größter Bedeutung, da dadurch eine Betreuung im häuslichen Umfeld sichergestellt werden kann.
Zur Palliativmedizin gehören die Bejahung des Lebens sowie die Akzeptanz von Sterben und Tod als Teil des Lebens. Ärzte haben das Selbstbestimmungsrecht der Patienten zu achten, das Leben nicht um jeden Preis zu verlängern und in bestimmten Fällen auch Behandlungen zu unterlassen. „Das darf man aber nicht mit aktiver Sterbehilfe verwechseln“, betonte Dr. Lighvani. Ihr ist es wichtig, den Menschen bis zuletzt als Person zu achten, belastende Symptome zu lindern – etwa 70 Prozent der Patientinnen und Patienten leiden unter Schmerzen –, sie nicht alleine zu lassen, gemeinsam unerledigte Angelegenheiten zu klären und dem Leben im Rückblick einen Sinn zu geben.
Gerade in der letzten, der terminalen Lebensphase eines Menschen, können Angehörigen entlastet werden, wenn eine Patientenverfügung vorliegt. Es ist auch sehr sinnvoll, im Familienkreis offen über die eigenen Wünsche zu sprechen, da nicht alles im Voraus geregelt werden kann. Dafür braucht es Zeit, Raum und Empathie. Diese Bedingungen zu schaffen, ist Teil der Haltung aller Mitglieder des Palliativteams, das seit 2007 am Klinikum Deggendorf tätig ist – seit 2009 auch mit einer eigenen Station. „Wir sind sehr dankbar, dass wir Menschen dort in ihrer letzten Lebensphase umfassend helfen können“, betonte Dr. Barbara Lighvani.
Zum Vortrag im Kolpinghaus war auch der Erste Bürgermeister Thomas Etschmann gekommen. In seinen einleitenden Worten hob er die große Bedeutung der Palliativmedizin hervor. Als Vertreter der Veranstalter zeigten außerdem Franz Huber, stellvertretender Direktor der AOK, Margret Tuchen, Vorsitzende des Kneippvereins, Rainer Unrecht für die Gesundheitsregion plus am Landratsamt Deggendorf sowie Jürgen Stern vom DONAUISAR Klinikum ihre Unterstützung für die Veranstaltungsreihe.
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