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Gemeinsam gegen Darmkrebs

27.04.2020 Infoabend im Weissen Haus stößt auf großes Interesse

09.03.2020 - Margret Tuchen (v.l.), Jürgen Beck, Christian Bernreiter, Prof. Dr. med. Matthias Behrend, Prof. Dr. med. Siegfried Wagner, Dr. med. Matthias Faigl und Privatdozent Dr. med. Nicolas Graf.

Neuhausen. Jeder Fünfzehnte in Deutschland erkrankt irgendwann in seinem Leben an Darmkrebs. Jedoch ist es leicht möglich, diesem vorzubeugen. Nach dem Motto „Der Weg zum gesunden Darm“ sprachen verschiedene Experten zum Thema Darmgesundheit und Krebsvorsorge im Weissen Haus in Neuhausen. Landrat Christian Bernreiter hatte die Schirmherrschaft übernommen. Das große Interesse im voll besetzten Saal freute vor allem Chefarzt Prof. Dr. med. Siegfried Wagner, den Initiator der Veranstaltung.

Bereits zum 17. Mal fand die Aktion im Rahmen des Darmkrebsmonats März statt. Heuer das erste Mal in Neuhausen. Ziel der Veranstaltung ist es, möglichst viele Menschen rechtzeitig anzusprechen und auf die Möglichkeiten der Prävention hinzuweisen. Wagner lobte auch die gute langjährige Zusammenarbeit des DONAUISAR-Klinikums und Darmzentrums Deggendorf mit der AOK, dem Kneipp-Verein, der VHS und der Deutschen ILCO. Neu dabei in diesem Jahr war der Landkreis Deggendorf mit der Ernennung zur „Gesundheitsregion plus“.

In den Grußworten forderte Landrat Christian Bernreiter das Publikum dazu auf, zur Darmvorsorge zu gehen. Er selbst gehe regelmäßig. Auch AOK-Direktor Jürgen Beck und Margret Tuchen als Vertreterin des Kneippvereins betonten die Wichtigkeit der Vorsorgeuntersuchungen. Beck erläuterte, dass jeder Krankenversicherte ab dem 50. Geburtstag regelmäßige Schreiben mit Einladungen zur Vorsorge von Darmkrebs bekomme.

Darmkrebsvorsorge betrifft dabei jeden. In Deutschland stehen Krebserkrankungen direkt hinter Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache Nummer zwei. Dabei stellt der Darmkrebs bei Frauen die zweithäufigste und bei Männern die dritthäufigste Krebsform dar. Jährlich erkranken etwa 60 000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs, und 24 000 sterben immer noch an den Folgen dieser Erkrankung.

„Mit den Vorsorgeuntersuchungen ist es wie mit dem TÜV“, erklärte Dr. med. Matthias Faigl, Hausarzt in Neuhausen. „Das Auto schickt man gerne zum TÜV, aber selbst geht man nicht so gerne zur Vorsorge.“ Als Gründe nannte er die Angst vor den Untersuchungen und die Angst, dass tatsächlich etwas auffällig sein könnte. Dabei ist das Gefährliche am Darmkrebs, dass sich Beschwerden oft erst äußern, wenn es bereits zu spät ist. Es gibt keine Frühwarnzeichen. Dies macht die Vorsorgeuntersuchungen beim scheinbar gesunden Menschen umso bedeutender. Bis sich gutartige Wucherungen, die sogenannten Polypen, zum bösartigen Karzinom entwickelt haben, vergehen im Regelfall viele Jahre. „Genau diese Zeitspanne muss genutzt werden, um den Prozess der Umwandlung von gut- zu bösartig zu stoppen“, betonte Faigl.

Christa Katzdobler, Dipl.-Ökotrophologin bei der AOK-Bayern, referierte über die Vorsorge durch gesunde Ernährung. „In unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft essen wir zu viel, zu fett und zu süß“, erläuterte die Ernährungsexpertin. Für den Darm besonders wichtig seien Ballaststoffe. Diese findet man vor allem in rohem Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Dabei legte sie besonderes Augenmerk darauf, regional und saisonal einzukaufen. „Bei jeder Mahlzeit sollte ein Teil durch Gemüse und Obst ersetzt werden“, erklärte Katzdobler weiter. Auch mehr Fisch und regelmäßiger Konsum von sauer gelegten Milchprodukten wie Joghurt, Quark und Buttermilch sorgen für eine gesunde Darmflora und schützen den Darm vor Erkrankungen.

Chefarzt Prof. Dr. med. Siegfried Wagner betonte, dass seit Einführung der Vorsorgeuntersuchungen 2003 der bis dahin stetige Anstieg der Neuerkrankungen von Darmkrebs gestoppt werden konnte, und seither ein Rückgang der Neuerkrankungen von 16% und der Todesrate von 25% zu verzeichnen sei. „Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt“, so Chefarzt Prof. Dr. med. Siegfried Wagner. Trotzdem sei der entscheidende Erfolg die Teilnahmerate jeder Screeningmaßnahme. In Deutschland bekommen Frauen ab 55 Jahren die Darmspiegelung von den Krankenkassen gezahlt. Da Männer in der Regel früher erkranken, ist das Alter für diese seit 2019 auf 50 Jahre gesenkt worden. Sind bereits Fälle von Darmkrebs in der Familie bekannt oder liegen Vorerkrankungen vor, wird das entsprechende Alter nochmals nach unten gesetzt.

Nach dem aktuellen Forschungsstand stellte der Privatdozent Dr. med. Nicolas Graf neue Möglichkeiten vor, wie in Zukunft eine Über- bzw. Untertherapie der Patienten in den verschiedenen Darmkrebsstadien vermieden werden könne. Außerdem betonte der Onkologe, dass sich die Prognose des metastasierenden Darmkrebses laufend verbessert habe. So werden am DONAUISAR-Klinikum in wöchentlichen Tumorkonferenzen zwischen allen beteiligten Abteilungen die Behandlungsdetails abgestimmt, um den besten Therapieweg für jeden Patienten zu entwickeln.

Wie sich das Darmzentrum Deggendorf im bundesweiten Vergleich schlägt, legte Chefarzt Prof. Dr. med. Matthias Behrend dar. Mit anschaulichen Statistiken erklärte er dem Publikum den Vergleich verschiedener Kriterien wie Sterblichkeit und Behandlungszahlen. Deggendorf gehöre zu den besten DKG-zertifizierten Darmzentren Deutschlands, konnte Prof. Behrend abschließend zeigen.

Was kann jeder Einzelne tun, war die abschließende Frage. Einen gesunden Lebensstil mit gesunder Ernährung pflegen, viel Bewegung, wenig bis gar keinen Alkohol trinken und auf Rauchen verzichten. Und natürlich zur Darmkrebsvorsorge gehen.

Kategorien: Gesundheitsregion plus

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